Tall Ship Soren Larsen 2005 ~ South Pacific Sail Training Adventure for all ages
  

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AT EASTER ISLAND 2005 - Astrid's view

Iorana Korua! Pehe koe?

Der erste Landfall... – Rapa Nui (Osterinseln), 3700 km entfernt vom chilenischen Festland und 4100 km von Tahiti!

Wie schon berichtet, ist Rapa Nui definifiv ein Besuch wert. Ich – sowie ein Teil der Crew (die anderen mussten noch ein paar Tage an Bord ausharren) – hatte zwei Tage frei, die ich auf der Insel genossen habe. Schnell war eine Unterkunft gefunden, Rucksack abgestellt und hinaus in die Stadt – äh, sorry: Dorf! „Hanga Roa“ heißt es und ist gleichzeitig mehr oder weniger die einzige Siedlung auf der Insel.

Hanga Roa hat eine gemütliche ‚Hauptstraße’, wo kleine Cafés, Restaurants, Souvenirläden und seit wenigen Jahren auch einige Internetcafés zu finden sind. Man sitzt draußen auf der Terrasse, hört die Wellen des Ozeans und sieht ebensolche an den Kliffs zerschlagen, isst Fisch, den die Fischerleute von Rapa Nui gerade erst frisch geliefert haben... Mmmh! ...und überall sieht man Pferde und nochmals Pferde. Sie werden hier benutzt wie bei uns Fahrräder. Durchaus möglich, dass man in einem der Straßencafés sitzt, einen Cappucino trinkt und in regelmäßigen Abständen Pferde ohne Zaumzeug und ohne Besitzer vorbei stolzieren. Drehen kurz den Kopf, als wollten sie „Hallo“ sagen und gehen weiter. Ein paar Minuten später höre ich ein Pferd durch die Straßen galoppieren, diesmal allerdings mit Reiter... Einfach überall Pferde, soweit das Auge reicht. (...die lebenden Moai’s, aber dazu später mehr!)

Am Nachmittag ist im Dorf Siesta angesagt, alle Geschäfte schließen und der große gemeinsame Mittagsschlaf beginnt – dabei ist es gar nicht so heiß, dass das Arbeiten unangenehm wäre. Aber egal, Tradition ist Tradition! Die Temperaturen liegen zwischen 20-25 Grad, aber es ist momentan eines der regenreichsten Monate (was die andere Crew-Hälfte während ihrer zwei freien Tage durchaus gemerkt haben!) ... So gegen 18 Uhr erwacht das Örtchen wieder, die Geschäfte öffnen teilweise wieder, natürlich auch die Restaurants und Bars und der Abend kann losgehen – herrlich Ausessen und den festen Boden unter den Füßen genießen. Später natürlich in einer der lokalen Bars einen Pisco trinken, der nicht allen Leuten zusagt (nicht wahr Ulrich?), aber das Bier ist auch nicht übel...

Natürlich traf ich überall Crew und Voyage Crew, zufällig im selben Restaurant oder man hörte bekannte Stimmen (Hallo, Nate!) aus einer der Bars kommen... Der Abend war feucht und fröhlich und jeder genoß und begoß nach 30 Tagen Ozean den ersten Abend an Land...

Der nächste Morgen: eine Inseltour war geplant, ehrlich gesagt, hatte ich Mühe um aus dem Bett zu kommen – aber: ich bin sehr froh, dass ich so viel von der Insel gesehen habe und erklärt bekam... Rapa Nui ist ein großes Museum, aber niemand weiß so recht wie alles anfing... Jeder hat so seine eigene Version, aber alle klingen recht plausibel und interessant...

Rapa Nui ist seit 1955 Weltkulturerbe der UNESCO, nicht nur, wegen der ca. 20.000 archäologischen Spuren, die auf der ganzen Insel zu entdecken sind. Manche sind kaum sichtbar, andere hingegen sind so dominant, dass man schon blind sein muß, wenn man sie nicht sehen will. Überall Statuen, Statuen und nochmals Statuen... Auf ganzen 180 km² stehen mehr als 1000 (!) Moai’s (so werden die Statuen genannt). Unser Guide erzählte uns – keine Ahnung, ob dies nun die wahre Geschichte ist –, dass eben eine solche Statue als Erinnerung an einen Toten angefertigt und aufgestellt wurde. Gehörte die Person zur Königsfamilie, besaß die Moai Augen und einen Hut, aus rotem Stein.

Die aufgestellten Moai’s blicken alle Richtung Inselmitte und sollen die Bewohner der Insel vor Eindringlingen und Seeräubern beschützt haben. Eine Ausnahme gibt es: Ahu Akivi, auch „7 Moai’s genannt. Sie blicken von ihrem heiligen Tempel (Ahu) Richtung Meer und charakterisieren die „sieben Endecker“ der Osterinseln.

Die eindruckvollste Moai-Erscheinung ist Ahu Tongariki. Eine Tempelplattform oder ein Altar auf dem 15 riesige Moai-Statuen nebeneinander aufgestellt sind. Sie sind sicherlich 10-12m groß!

Im Osten der Insel liegt der Vulkan Rano Raraku. Aus diesem Vulkangestein sind die meisten Moai’s geschlagen worden. Man kann deutlich die verschiedenen Stadien der Statuen erkennen. Einige sind „fertig zum Verkauf“, andere sind inmitten des Arbeitsprozesses unterbrochen. Bei einigen wenigen ist deutlich zu erkennen, dass sie fertig waren, aber zu Beginn des Transport zerbrochen sind: Viele, viele Jahre Arbeit für nichts..!

Neben dem „Moai-Steinbruch“ und seinen 390 Moai’s sieht man einen Süßwassersee mit riesigen, treibenden Schilfinseln, der Vulkankrater! Natürlich viel schöner als auf Postkarten und Fotos...

Apropos Vulkankrater: Rano Kau ist der Name eines riesigen Kraters im Südwesten der Insel – ganz nahe zweier unserer Ankerplätze. Er hat einen Durchschnitt von 1.6 km und ist unglaublich schön! Wirklich schwierig dieses Stück Natur zu beschreiben... Auch hier riesige Schilfinseln und einheimische Pflanzen und Bäume an den Kraterhängen. Die wilden Guavas schmecken hervorragend und genau das richtige an einem heißen Nachmittag...

Am Kraterrand ist eine kleine, nicht mehr bewohnte Siedlung zu sehen. Ca. 50 winzige Steinhäuser sind zu erkennen. Die Eingänge sind so klein, dass man sich nur sehr schwer vorstellen kann, dass dort Menschen drin gewohnt haben. Besonders interessant sind die tausenden Petroglyphen, die man auf all den Steinen bewundern kann.

 

Es gibt leider nur einen „richtigen“ Stand auf Rapa Nui. In Anakena an der Nordküste – etwa 20 km entfernt von Hanga Roa, dem Hauptort, liegt ein herrlicher weißer Sandstrand mit Palmen – und natürlich Moai’s. An dieser Stelle sollen die ersten Enddecker an Land gekommen sein, da es die einzige Stelle ohne Kliffs, ohne starker Strömung und meistens geschützt vor den vorherrschenden Südostwinden.

Auf unserer Inseltour haben wir dort natürlich auch gehalten – der Hauptgrund waren wahrscheinlich eher die Maoi’s, aber egal – und haben uns ’ne gute Stunde in dem herrlichen  Wasser (ca. 23 Grad) vergnügt. Am Anfang schien es kalt zu sein, aber später war es im Wasser wesentlich angenehmer als am Strand selber.

Die Søren Larsen hatte nachdem wir von Bord gegangen waren ihren Ankerplatz gewechselt. Zufällig sahen wir sie in der Anakena Bay wieder. Sie rollte auf der Ozeandünung ziemlich stark, aber trotzdem war es ein herrliches Bild: Strand, blaues Meer, Palmen, Moai’s und unsere Søren Larsen im Hintergrund...

 

Natürlich waren die zwei Tage an Land viel zu kurz, aber ich bzw. ebenso der Rest der Crew mussten wieder zurück an Bord. Unsere andere Crew-Hälfte wartete schon sehnsüchtig auf den Wechsel. Schließlich wollten sie ebenfalls diese Insel in the Middle of Nowhere entdecken... Für mich und die anderen hieß es nun für die nächsten vier Tage Schiffsunterhalt und Klarschiff machen für die neuen Gäste, die wir teilweise schon an Land getroffen hatten...

 

Inzwischen sind wir auf dem Weg Richtung Pitcairn – eine winzige Inselgruppe (drei Inseln und ein Atoll – zusammen 54 km²) 2100 km westlich von den Osterinseln und 5350 km nordwestlich von Neuseeland. Wir werden 7-10 Tage unterwegs sein, vielleicht auch viel länger, denn diesmal ist der GPS im Navigationsraum ausgeschaltet. Die Osterinseln waren ja schon klein, aber unser neues Ziel: ganze 5 km² groß!!!

Die große Frage ist: Werden wir sie finden – nur mit Sextant, Kompas, Sonne und den Sternen oder an ihnen vorbei segeln? - Ich bin mir da nicht so ganz sicher..!? – Aber lesen Sie selber im nächsten Bericht...

Bis denn! Astrid

 

PS.: „Iorana Korua! Pehe koe?“ ist übrigens Rapa Nui und heißt: „Hallo allerseits! Wie geht’s Euch?“

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