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V215 NZ to Easter Island 2005 - our German 2nd Mate, Astrid's Journal Account
25th March to 24th April 2005
Nun, der 24. Tag auf See ist beinah vorbei!
Das wiedermal hervorragende Abendessen ist gerade in den 23 hungrigen Bäuchen verschwunden, an Deck hörten wir um 20:00 Uhr die 8 Schläge der Schiffsglocke zum Wachtwechsel, der Abwasch in der Kombüse ist auch erledigt – langsam kehrt Ruhe im Inneren der „alten Lady Søren Larsen“ ein... – ein Tag geht zuende, aber nicht für alle!
Nein, eine kleine Gruppe „Seemänner und –frauen“ stehen an Deck: steuern (Zitat eines Gastes: „Ich drehe das Rad nach links und rechts, schaue zu den Sternen auf und probieren dabei zu den Osterinseln zu gelangen, total easy!“), halten Ausschau („look out“) – bis jetzt ist uns aber noch nichts und niemand entgegen gekommen: kein Schiff, kein Container, kein Eisberg... Sie ziehen an allen möglichen Tauen – sofern es notwendig wird und checken das Schiff stündlich mit Sicherheitsrunden („safety rounds“)!
Sehr beruhigend, so kann ich herrlichen in meinem Bett liegen und von den Wellen in den Schlaf geschunkelt werden. In knapp drei Stunden heißt es für mich und zwei Deckhands, sowie drei Gästen „Aufstehen!“. Mitten in der Nacht ist es meine Verantwortung das Schiff zu führen, so dass die anderen „Mitbewohner“ ebenso sorglos schlafen können...
Es war der 23.03. als wir mit der „Søren Larsen“ Tauranga in Neuseeland verlassen haben. Nach knapp zwei Monaten Werftzeit sollte endlich die große Reise losgehen – auf in den Südpazifik! Und das tat sie dann auch... Acht Gäste aus der ganzen Welt (Neuseeland, England, Belgien, USA, Irland) waren ebenso gespannt, wie wir, die Crew (ebenfalls aus aller Welt: 2x Neuseeland, 3x Australien, 1x USA, 1x Kanada, 3x Dänemark, 1x Niederlande, 1x Deutschland, 1x Südafrika, 1x England). Wie würde es sein, einen ganzen Monat auf dem Meer, schaukelnd auf den Wellen und der Dünung, nur Wasser um uns herum, sehen wir Delphine und Wale, wir wird das Wetter, sollten wir in einen Sturm geraten, wir wird die Stimmung an Bord sein, fangen wir Fische...
Aber eins nach dem anderen: Wir sieht so ein Schiffsleben eigentlich aus, wenn man mit 22 Leuten auf 44.2 x7.8 m lebt, arbeitet und schläft! Schrecklich werden vielleicht einige nun sagen, aber ich kann Ihnen versichern, es sind alle wohlauf, guter Dinge und enjoying life...
Wir laufen ein 3-Wacht-System, was heißt, das alle Leute an Bord in drei Gruppen eingeteilt sind. Der Tag beginnt auf einem Schiff offiziell um 12 Uhr mittags und ich (2. Steuermann) starte zusammen mit zwei Deckhands und drei Gästen die „Erste Wacht“ von 12-16 Uhr. Um 16:00 wird die Schiffsglocke wieder 8x geschlagen und ich gebe meine Wacht an Mikkel (1. Steuermann) weiter, der mit „seiner“ Crew bis 2000 Uhr alles unter Kontrolle hat. Er schätzt sich sehr glücklich, da er – so wie er sagt – die beste Wachten hat: Sunset und Sunrise (Sonnenuntergangs- und -aufgangswachten). Der Verantwortliche für die Wacht von 2000-2400 und 0800-1200 ist Jim – unser Kapitän, der ein so erfahrener Seemann ist, wie ich ihn noch nirgends anders gesehen habe.
Ehrlich gesagt, ist es manchmal schon ganz schön schwierig mitten in der Nacht aufzustehen und vier Stunden Wacht zu laufen, aber man gewöhnt sich an alles – hab’ ja noch ca. 210 Nächte vor mir liegen bis wir Ende November wieder nach Neuseeland zurückkehren werden... Allerdings wird man oft mit einem herrlichen Sternenhimmel und dem „Southern Cross“ über uns und schönen Monduntergängen belohnt. Nicht zuletzt die Vollmondnächte sind traumhaft...
Womit schlagen wir uns in meiner Wacht die Zeit tot – außer viele neue Dinge über die Sterne zu lernen? Natürlich, wir nehmen jede Nacht ein „Azimuth“!? Wer oder was das ist? – Nun, wir probieren einen Stern zu identifizieren und vergleichen die Peilung mit eben diesem Stern mit der Peilung unseres Kompasses. Nach einer kurzen nautischen Rechenaufgabe können wir sehen, ob der Kompass seine Arbeit zur Zufriedenheit „erledigt“ oder ob eine Abweichung vorliegt... Für die Segler unter uns: Deviationsbestimmung. James aus den USA findet das eine große Herausforderung: „Bei solch einem rollenden Schiff und dem ständig zu korrigierenden Kurs, soll einer grade gucken können...!?“
Was momentan ebenfalls gut klappt ist die Positionsbestimmung mit Sextant und Mond... Wir werden immer geübter im Umgang mit dem Sextanten und die Positionen werden immer präziser...
...dank sei der „täglichen Schule“! Jeden Tag nach der Kaffeezeit im Deckhaus ist „Schule“ angesagt und wir sitzen gespannt an dem großen Tisch im Saloon um nach Kapt’n Jim’s Worten zu lauschen... Er erklärt den Interessierten alles über Navigation mit Sonne und Sextanten, gibt ihnen „Rechen-Beispiele“ und die wissbegierigen „Navigatoren“ wissen schnell, wie mit dem Sextanten umzugehen ist, was das Geheimnis zwischen unserer Zeit, dem Längen- und Breitengrad und der Sonne ist. Die ersten Sonnenpositionen sind schon in der Seekarte eingezeichnet... Sobald die Sonne zu sehen ist, werden die Sextanten an Bord gepackt und jeder versucht sein Glück...
Eine andere Aufgabe meiner 0000 – 0400 Nachtwache ist das Brotbacken! Jeden Morgen, während meine Crew und ich bis 10h im Bett liegen und unseren Schlaf nachholen dürfen, liegt frisches, herrlich duftendes Brot auf dem Frühstückstisch... Unsere Wache testet es natürlich immer schon in der Nacht, schließlich müssen wir wissen was wir dort zustande gebracht haben..! Ich kann Ihnen sagen: Herrlich!!!!
Der große Lagerkoller ist noch nicht ausgebrochen, aber trotzdem passieren die verrücktesten Dinge:
Unser Jungs an Bord (Fünf Deckhands, ein Koch, der Maschinist und der 1. Steuermann) rasierten sich kurz vor der Abfahrt in Tauranga zum letzten Mal – der Schnurbart-Wettbewerb war begonnen! Drum herum durfte sich nur sonntags rasiert werden und wer den interessantesten bzw. den am meist beeindruckenden Schnurbart am letzten Sonntag vor Easter Island haben würde, sollte die ultimative Bart- Trophy aus den ehrwürdigen Händen von Kapitän Jim erhalten... Nicht nur die weibliche Besatzung sehnte sich diesen Tag herbei – einige sahen wirklich zum schießen mit dem Ding aus -, auch ein paar Jungs wünschten sich dieses Gewächs im Gesicht endlich weg! – Fortsetzung folgt...
Neun Fische – (Yellowfin-Thunfisch und Dorado) - hatten wir bis jetzt am Hacken (lieben Gruß an Crew 2004 – das sind neun mehr als ihr gefangen habt!!!), wobei letztendlich leider nur fünf in der Kombüse gelandet sind. Die anderen vier haben in letzter Minute das Weite des blauen Pazifik gesucht – inklusiv unserer großen Angelhacken... Kenny, unser 198 cm kleiner australische Deckhand, ist der König des Fischausnehmens... Gefährlich wird es erst, wenn er versucht, das Fisch-Skelett zu essen! (...kann man dies dann als Lagerkoller bezeichnen?) Die Fische waren echt super lecker, frisch aus dem Meer auf den Tisch, so steht’s auch in den alten Seefahrer-Geschichten... Auch hier: Fortsetzung folgt...
Apropos Fisch: Ich hab noch nie eine Ozeanüberquerung gemacht und so wenige Delphine und Wale gesehen! (Okay, Crew 2004, es steht 1:1) Das war wirklich eine kleine Enttäuschung für einige Gäste an Bord – und auch ein bisschen für mich! Ich liebe Delphine... Eigentlich begann alles sehr vielversprechend: direkt in meiner ersten Nachtwache sahen wir einige Wale im Mondlicht – es sah super genial aus. Sie waren etwas zu seit weg und zu dunkel um zu sehen, um welche Art von Wale es sich handelte. Schade!
Dann kam eine lange Periode des Wartens und wir sahen doch tatsächlich ganze zwei (!) Mal Delphine um uns herum. Springend in unseren Bugwellen hatten sie die Begeisterung an Bord geweckt. Leider waren sie nach wenigen Minuten wieder fort... Wirklich schade, sie verbreiten immer eine große Freunde. Man vergisst für wenige Minuten die Südwestwind-Kälte und den Regen...
Ja, ja, das Wetter ist sehr wechselhaft. Wir Europäer werden von den Australiern ein bisschen geärgert: „...hörte, das so der europäische Sommer aussieht..!“ Tatsächlich war unsere Überfahrt sehr verregnet. Dadurch, dass wir die Westwinde nutzen wollten, haben wir das Gewässer südlicher des 40° Breitengrad aufgesucht. Wind hatten wir genug (keinen Tag Windstille erlebt!) und wenn dieser von westlicher Richtung in südwestlich oder sogar südlich umschwenkte, dann war es vor allem nachts recht kalt... Antarktis lässt grüßen!! Ich hatte wiedermal alle Klamotten an (Erinnerungen an Mitte Dezember in Neuseeland wurden wach!), die ich bei mir habe. Aber nicht das die ganze Überfahrt wettermäßig schlecht war: nein, wir haben auch wunderschöne, warme Tage gehabt, mit schönen Sonnenuntergängen und wunderschönen Wolkenbildern am Himmel...
Was ein absolutes Erlebnis war: ein Regenbogen! Nun werden Sie lachen und sagen, das ist nicht wirklich was besonderes! Stimmt eigentlich. Wenn alle Farben deutlich zu sehen sind, er vollständig und teilweise sogar doppelt war, dann kann man sagen, er ist wunderschön! Aber wenn dieser Regenbogen immer näher kommt und innerhalb von wenigen Minuten der Anfang und das Ende des Bogens direkt neben dem Schiff – keine 5 m entfernt – mit all seinen Farben in den blauen Ozean eintauchen, ja dann ist jeder erstaunt! Es war wirklich irre um dies zu beobachten... Beeindruckend!
Inzwischen sind wir auf den Osterinseln gelandet: Nach 4236 Seemeilen und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6.10 m/h, nach 694 Stunden und 48 Minuten (29 ½ Tage), in denen uns genau 99 Stunden der Motor geholfen hat, ist gestern Abend (21.04.2005) um 23.54 Bordzeit (GMT -6 h) der Steuerbordanker mit 5 Shackles (ca. 140 m Ankerkette) in 30 Meter Tiefe in der Hangaroa Bay geworfen worden!
 
Herzlich Willkommen auf Rapa Nui, Chile!!
Tja, der Schnurbart-Wettbewerb ist nun auch vorbei – schade – letztendlich waren doch einige hübsche Exemplare dabei..! Aber das Präsentationsoutfit der Jungs toppte alles! Mit allen Mitteln probierte jeder auf seine Weise die weibliche Jury zu bestechen... Neben der gründlichen Inspektion des 30tägigen Gebildes, wurde jeder aufgefordert zu berichten: „Wie hatte der Schnurbart ihr Leben verändert? Wie hat er ihren Charakter beeinflusst? Ob sie sich nun mehr „Mann“ fühlen?“ – Jetzt kann ich es ja verraten: Ulrich, unser dänische Bootsmann, hatte die große Ehre die Trophy aus den weisen Händen von Kapitän Jim entgegenzunehmen – er gewann mit großem Vorsprung vor den anderen Bärten, warum: Sehen Sie selber – genau hinsehen, sonst übersehen Sie die paar Haare... „Es kommt halt auf die inneren Werte eines Mannes an!“ (Zitat Ulrich)
Leider hat auch kein weiterer Fisch an unsere Leinen angebissen, Kenny hat das Grätenessen überlebt und auf der Insel werden neue Fischhacken gekauft...
 Die letzten Tage an Bord von einer langen, langen Reise fand ich wunderschön! Es war sonnig und warm, herrliche Sonnenuntergänge Pictures from sunset and moon with yard and cloud and eveningsun possibel...) und viele hielten sich an Deck auf, da sie das „Landho“ nicht verpassen wollten! Dann war es endlich soweit: Es war 13.05 Uhr, John hielt „Look out“ von höchsten Rahsegel: Topgallant und rief „Land in Sicht!“! Knapp zwei Stunden später konnten wir den kleinen Berg im Wasser auf von Deck aus sehen...
Der kleine Berg war Rapa Nui (Osterinseln) und die ersten Wehmutstropfen flossen... Eine schöne, lange und beeindruckende Reise ging zuende ) und der erste Landfall war fällig...

Aber davon ein anderes Mal!
Nur so viel: Rapa Nui ist definitiv ein Besuch wert!!!
Astrid.
See Astrid's complete Photo gallery of this trip: here

Read Christiane's own account of her first Soren Larsen voyage, in Dutch here
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