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Pitcairn Island – eine Insel seit über 200 Jahren am Scheidewege
Voyage Crew Christian Kniess - with his own view of the history of Pitcairn and the mutiny
that led to its foundation:
„Monkey Man , monkey man“ ertönt es hinter mir aus der Badewanne, als ich mich vor dem Spiegel mit meinem nackten Oberkörper rasiere. Seit 2 Tagen sind mein Kabinengenosse Paul und ich bei Charlene , Vaine und ihren 4 Kindern privat untergebracht. Ihre warme Gastfreundschaft läst uns im Gefühl , dass wir uns seit Jahren kennen und die besten Freunde sind. Sämtliche Scheu voreinander fällt weg. Die kindliche Beobachtung meiner Körperbehaarung durch die beiden jüngsten Kinder lässt mich zum Affen werden im Vergleich zu ihrem Vater.
Neun Tage sind wir nun gesegelt, uns dem wogenden Meer widersetzt, nun stehen wir’ Seeleute’ wackelig am Pier von Pitcairn Island. Wir wurden von unserem Captain Jim vorgewarnt, dass das ganze Dorf uns begruessen wird und da standen sie nun : die Bewohner der Insel von Pitcairn Island. Jeder von uns hat seine Ideen und Vorstellungen über die Insel: traumhaft, unzugänglich , fruchtbar , Teil der Geschichte und zugleich gewalttätig.
Was geschah vor über 200 Jahren und was geschieht heute. Warum gibt dieser grüne Felsen mitten im pazifischen Meer mit seinen 52 Einwohner soviel Stoff für Geschichten. Steht diese Insel als Symbol für eine vergangene Zeit, in der mit britischer Entschlossenheit fernab von der Heimat sich dem Lex Britanica widersetzte und dann doch scheiterte und auch scheitern musste?
Doch lassen wir uns 200 Jahre zurückversetzen. Die Weltgeschichte am Ende des 18. Jahrhunderts wird bestimmt von Frankreich und England , die beide ihre Kolonien festigen und ausbauen. Am 23. Dezember 1787 tritt ein Segelschiff mit 45 Männern eine Reise an, die Geschichte machen sollte und Hollywood in 60 Jahren zu drei Filmen inspiriert. Es ist die Geschichte der Bounty und ihrer Meuterei. Ihr Ziel sind die westindischen Inseln – ein Ziel, welches sie nie erreichen wird. Ihr Captain William Bligh erhält den Auftrag zuerst nach Tahiti zu segeln und dort Brotfruchtpflanzen zu verladen. Die Pflanzen wiederum sollten zu den westindischen Inseln transportiert werden. Die Früchten der Brotfruchtpflanze waren die Nahrung der Sklaven , welche in den Kolonien arbeiteten. Zehn Monate und 27,000 Seemeilen war die Bounty unterwegs . Zehn Monate Tyrannei unter der Herrschaft von Captain Bligh. Da Bligh zugleich auch für die Verpflegung der Mannschaft zuständig war, entnahm er für private Zwecke Lebensmittel aus der allgemeinen Schiffsverpflegung. Als Folge darauf wurden die Rationen der Mannschaft gekürzt. Außerdem wurden geringfügige Vergehen mit brutalsten Strafen wie dem Auspeitschen geahndet. Dann endlich warf die Bounty am 26.Oktober 1788 Anker in Tahiti. Wie im Paradies mussten sich die Mannschaft der Bounty fühlen, als sie warmherzig von der einheimischen Bevölkerung empfangen wurde. Und nun nimmt das tragische Schicksal seinen Lauf. Nach über 5 Monaten am 4. April 1789 setzt die Bounty mit 1015 Brotfruchtpflanzen an Bord Segel, um zu ihren Ziel den westindischen Inseln zu segeln. In den vergangenen Monaten genießen die Seeleute alles was sie auf dem Wasser vermissen : Frauen und ein unbeschwertes Leben. Zu lange genossen sie nun dieses irdische Paradies, um noch weiterhin die brutale Plackerei und Tyrannei unter Bligh zu erdulden. Dann am 27. April 1789 explodierte die Stimmung über den Verlust von drei Kokosnüssen , welche Bligh gehörten . Dieser beschuldigte die Mannschaft und vor allem seinen ersten Offizier Christian Fletcher des Diebstahls. Weiterhin verordnete er die Kürzung der Verpflegung. In derselben Nacht wurde Bligh von Fletcher Christian, John Williams und William McCoy und weiteren Seeleuten im Schlaf überrascht. Bligh wurde mit 18 Seeleuten , die entschlossen sind, bei ihrem Captain zu bleiben , in einem kleinen Boot mit Proviant ausgesetzt. Tatsächlich gelang es Bligh nach Wochen und 4100 Seemeilen auf See in Timor an Land zu gehen. Angekommen in London wird er Zeugnis über die Meuterei ablegen , worauf die britische Marine ein Schiff entsendet, um die Meuterer zu fassen und zu bestrafen. Es gab nur eine Strafe für Meuterei: Tod am Galgen.
Währendessen kehrten die Meuterer zurück nach Tahiti . Fletcher Christian wusste , dass sobald die Meuterei bekannt wird, ein Schiff aus England entsandt wird , um sie zu fassen. Dennoch blieben die meisten Meuterer auf Tahiti und nur 8 weitere Seeleute schließen sich ihm an, weiter zu segeln. Mit an Bord sind ihre Frauen aus Tahiti sowie sechs tahitianische Männer, welche als Seeleute auf der Bounty arbeiten. Wie von Fletcher Christian befürchtet , wurden die verbliebenen Seeleute auf Tahiti wenig später von dem englischen Captain Edwards der Pandora gefasst und in England vor Gericht gestellt.
An Bord der Bounty befindet sich die aktuellsten Seekarten der britischen Marine. Aus diesen ersieht Christian Fletcher , das sich ca. 1000 Seemeilen in Richtung Osten auf der unbewohnte Insel Pitcairn Nahrung und Wasser befinden. Diese Insel wurde 1767 zum ersten Mal gesichtet, doch ihre Position wurde falsch in den Karten erfasst. Es gelingt der Mannschaft der Bounty Pitcairn am 23. Januar 1790 zu erreichen. Steile Felsen ohne schützende Buchten machen Pitcairn denkbar ungünstig für eine permanenten Siedlung. Doch gerade dieses erkennt Fletcher Christian als Vorteil – nie würde England die Meuterer auf Pitcairn vermuten. Um kein sichtbares Zeichen zu hinterlassen, wird alles brauchbare Material der Bounty entfernt und nach Pitcairn gebracht. Das Schiff , welches 2 Jahre ihr Schicksal war, wird in der Bucht versenkt. Nun wissen sie , dass es kein zurück mehr gibt und ihre neue Heimat dieser erloschene Vulkan inmitten des Pazifik ist. Die Geschichte könnte hier nun mit einem Happy End von einem idyllischen Leben auf einer subtropischen Insel enden – doch der Traum verwandelt sich schnell zum Alptraum. Verteilungskämpfe, Alkoholsucht und die Rivalitäten zwischen den Männern um die Frauen führen zu grausamsten Morden zum Teil mit Äxten . Fletcher Christian verbringt Tage und Wochen in einer Höhle auf einer Anhöhe – ständig mit Blick auf das Meer, um ein herannahendes britisches Schiff zu sichten. Doch dann wird auch er in seinem Garten ermordet. Acht Jahre nach der Landung leben nur noch zwei Männer der Bounty auf Pitcairn: John Adams und Edward Young. Der letztere stirbt 1800 als Erster eines natürlichen Todes.
In der Folgezeit wird nun John Adams zusammen mit Fletcher Christians ältestem Sohn die Insel verwalten und die Erziehung der Kinder übernehmen.
Inzwischen sind sämtliche Suchkommandos der englischen Marine erfolglos . In England bleibt das Schicksal der Meuterer ein Mysterium. Das wird sich am 17. September 1814 ändern, als zwei britische Fregatten vor Pitcairn Anker werfen. Durch einen Navigationsfehler fanden sie überraschender Weise die Insel. Gemäß den Seekarten, welche auch Fletcher Christian hatte, war die Insel 200 Seemeilen entfernt eingezeichnet. Derselbe Fehler, der 24 Jahre lang das Geheimnis der Bounty hütete.
John Adams sendet Flechter Christians Sohn Thursday October Christian an Bord der britischen Schiffe. Sein perfektes Englisch überrascht die beiden Offiziere der Fregatten. An Land treffen sie auch John Adams als letzten überlebenden Meuterer. Dieser bietet an, nach England zu kommen, um sich vor Gericht stellen zu lassen. Als das ganze Dorf jedoch fleht, John Adams vor dem Tod am Galgen zu bewahren , entschließen die beiden Captain ihn auf Pitcairn zu lassen , wo er dann auch am 16. März 1829 im Alter von 65 Jahren friedlich stirbt.
Heute leben die Nachfahren von Christian, Adams , McCoy und Young auf Pitcairn. Haben sie die dunkle Spuren der Vergangenheit verlassen und leben sie weiterhin in ihrem Paradies weitab vom Weltgeschehen? Ohne Flughafen und ca. 1 Woche im Schiff entfernt von der nächsten Insel ist Pitcairn eines der unzugänglichsten Inseln der Welt. In den letzten Monaten erlangt Pitcairn mit seinen Bewohnern weltweiten Ruhm – wenngleich auch in zweifelhafter Hinsicht. Ausgelöst durch eine Veröffentlichung einer Frau aus Pitcairn geraten fast allen männlichen Bewohner in Verdacht, seit Jahrzehnten sämtliche zum Teil 14-jaehrige Mädchen der Insel zum vorehelichen Geschlechtsverkehr zu zwingen. Sieben Männer werden der Vergewaltigung angeklagt, wobei zwei mit Gefängnisstrafen zu drei Jahren rechnen müssen. Ein neues Gefängnis wird gebaut; die Präsenz von zwei britischen Polizisten soll in Zukunft dieses Verbrechen verhindern.
Dennoch sind die Bewohner gewillt, sich auf eine neue Zukunft einzustellen. Jährlich machen 9 Kreuzfahrtschiffe hier Halt. Hunderte von Passagieren drängen sich dann in diesen Tagen auf der 5 qkm großen Insel und lassen sich dann zurückversetzen in die Zeit der Bounty. Danach fällt die Insel wieder in ihren ruhigen Alltag. Auch kommen neue Bewohner nach Pitcairn , um sich ein neues Leben aufzubauen – fernab der Hektik unserer Welt. Wandern durch eine grüne Landschaft und Atemberauschende Ausblicke aufs Meer von den verschiedensten Felsen lassen die Insel zum Paradies für Reisende werden, die fernab der geläufigen Reiserouten Ferien machen wollen. Ein kleiner Flughafen ist geplant und der Hafen wird zur Zeit modernisiert.
Nach drei Tagen auf Pitcairn setzt nun auch die Soren Larsen Segel. Warmherzig werden wir von Charlene und ihren Kindern zum Abschied gedrückt. Veine und fast das halbe Dorf begleitet uns auf ihrem Langboot mit zu unserem Segelschiff. Jeder von uns auf der Soren Larsen bringt seine eigene Geschichte von Pitcairn mit. Wir sind berührt von der Geschichte dieses winzigen Felsen . Charlene und Vaines Kindern sowie ihren Spielgefährten gehört die Zukunft. Wir wünschen den Nachfahren von Fletcher Christian, dass sie die die Unbeschwertheit von heute in eine neue Zeit retten.
Christian Kniess - May 2005.
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