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Ein Südseetraum geht in Erfüllung! Eine Reise von Tonga nach Fidschi...
A German Log from Yvonne Stahl and Peter Welters
Am 22.08.2005, nach einer halben Weltreise über Singapur, Sydney und Auckland, gehen wir an Bord der wunderschönen Brigantine Søren Larsen in Nukualofa, Tonga. Das Wetter ist perfekt, wolkenloser Himmel, wir ankern vor einer kleinen Insel namens Pangaimotu und bekommen unsere ersten Einweisungen in die Geheimnisse des Schiffes (vor allem dem Leinendschungel der für die vielen Segel wohl notwendig zu sein scheint). Des Weiteren lässt uns unser Kapitän Barry wissen, dass auf unserer Reise kein GPS benutzt wird, sondern nur nach Sternen und der Sonne navigiert wird, was helle Freude bei unseren Steuerleuten Astrid und Eric auslöst.
Der nächste Tag (23.08.) beginnt mit Segel setzen und Kurs auf die Ha’apai Gruppe. Schon in den ersten Stunden unserer Fahrt sehen wir einige Pilotwale, die anscheinend an unserem Schiff interessiert sind, wir aber wohl noch mehr an ihnen. Unsere erste Nachtwache führt uns an der Insel Tofua vorbei, auf der Kapitän Bligh von seiner meuternden Crew der Bounty ausgesetzt wurde, aber wir sind nicht in Rebellierlaune und fahren an dem geschichtsträchtigen Ort vorbei...
Am 24.08. erreichen wir Uoleva Island mit wunderschönem Strand und fast unbewohnt. Am Abend haben wir ein tolles Barbecue am Strand, das Nate mit seinen Gitarren- und Sangeskünsten bereichert und kommen aus dem Staunen über den Sternenhimmel nicht mehr herraus.
Leider müssen wir am nächsten Tag (25.08.) wegen totaler Flaute den Motor anstelle der Segel benutzen um zur Ha’ano Insel zu kommen. Dort wartet ein fast noch schönerer Strand auf uns und das Schnorcheln ist wieder super. Abends setzen wir Kurs auf Vava’u, wo wir am nächsten Morgen (26.08.) im Hafen von Neiafu ankommen. Nach einem Bummel durch das kleine Örtchen und einem Besuch des Marktes, auf dem jeder einen schönen Anhänger aus Knochenschnitzereien gekauft hat sind wir am Abend sehr beschäftigt in der „Mermaid Bar“ Bier zu tanken und tonganische Tänzer und Tänzerninnen und Feuerjongleure zu bewundern.
Am 27.08. verlassen wir Vava’u um uns zwei Höhlen in der Umgebung anzuschauen. Auf dem Weg dorthin sehen wir einige Buckelwale mit Jungen und sind fasziniert von dem gigantischen Schauspiel das sie uns bieten. Unglaublich, wie sich diese riesigen Tiere scheinbar mühelos rücklings aus dem Wasser katapultieren können und mit einem Riesenplatscher wieder im Wasser landen. Einer der Wale scheint uns sogar mit seiner riesigen Seitenflosse lustig zuzuwinken. In die „Swallows Cave“ können wir mit dem Beiboot fahren und sehen neben vielen Schwalben, hunderte von Fledermäusen die laute knackende Geräusche von sich geben, von der Decke der Höhle hängen. Die nächste Höhle „Mariners Cave“ kann nur unter Wasser erreicht werden.
Der Einstieg ist ein bisschen gruselig, ein tiefes schwarzes Loch, man muss sich ziemlich überwinden, um dahinein tauchen zu wollen. Der leichte Wellengang tut sein übriges um einen davon abzuschrecken. Aber irgendwie waren die Versprechungen vom Captain zu verlockend, als sich vollkommen entmutigen zu lassen. Nachdem der erste unserer Gruppe abgetaucht ist, düse ich mit den Flossen hinterher. Erst ein Stück abtauchen, dann geradeaus auf´s Geradewohl in die Schwärze. Allerdings wird es, sobald man unten ist, heller und das Loch verliert seinen Schrecken. Auf halbem Wege verliere ich meine Flossen, ich fühle mich wie befreit, da mir normales Tauchen ohne Flossen vom Schwimmen her viel geläufiger ist, als mich mit Flossen vorwärts zu bewegen. Nach einigen kräftigen Schwimmzügen ist es geschafft. Prustend komme ich auf der anderen Seite an, Nate hat meine Flossen eingesammelt und fragt, ob ich sie noch brauche. Wegen der Leichtigkeit mit der die letzten Züge vonstatten gehen, verzichte ich auf die Flossen für die Rückkehr, was ich aber später bereue. Die Höhle ist halbkugelförmig, diffus sickert Licht durch das Loch, das jetzt natürlich nicht mehr schwarz ist, sondern hell durch das Wasser schimmert. Langsam gewöhnen sich meine Augen an das Licht. Hier finden sich natürlich keine Fledermäuse, da der Wasserweg, der einzige Zugang ist. Die Decke ist allerdings ähnlich zerklüftet wie in der vorigen Höhle und einige Absätze lassen den Wahrheitsgehalt von Barrys Geschichte über die Höhle als Versteck für ein Liebespaar aus Häuptlingskindern zweier verfeindeter Stämme realistisch erscheinen. Beim Blick nach unten entdeckt man die üblichen „Aquariumsfische“, allerdings in kleinerer Anzahl als im Swallow’s Cave. Man sieht auch wie sich die Höhle noch 5 bis 10 Meter nach unten zieht und ein Gang seitlich nach unten abgeht. Ein schöner Anblick, wie sich das Licht bricht und die Steine, Pflanzen und Fische mit seinen Reflexen verzaubert! Die Wellen im Verein mit dem Licht rufen auch an der Höhlendecke interessante Spiegelungen hervor. Ein interessantes Phänomen zeigt sich auch durch den von den Wellen hervorgerufenen wechselnden Wasserstand. Da die Höhle nach oben abgeschlossen ist, steigt der Druck in der Kammer bei einer hereinschwappenden Welle. Beim Zurückfließen des Wassers sinkt er wieder. Da die Luft feuchtigkeitsgesättigt ist, bildet sich beim sinkenden Wasserspiegel ein feiner Nebel, der bei der nächsten Welle wieder verschwindet. Die Lichteffekte in der Höhle werden um einen weiteren Aspekt bereichert. Das Hinausschwimmen gestaltet sich aus meiner Sicht spektakulärer, als das Hineinschwimmen. Durch das Fehlen des Schwungs durch die Flossen muss ich mehr Schwimmzüge machen als beim Reinschwimmen, außerdem scheine ich die Wellen nicht richtig abgepasst zu haben und kämpfe auf den letzten Metern gegen die Strömung an. Außerdem bin ich zu tief getaucht und brauche ziemlich lange um auf der anderen Seite wieder an die Oberfläche zu kommen. Jetzt erstmal tief durchschnaufen, den leichten Panikanfall hinunterschlucken. Ich bin froh wieder im Boot zu sitzen, Aufforderungen noch einmal rein zu schwimmen, um ein Foto zu machen, lehne ich dankend ab. Nate schwimmt dann noch einmal mit unserer Kamera rein und macht die Bilder von der Höhle. Puh, noch mal alles gut gegangen!!
Nachmittags ankern wir vor Vakaeitu Island, wo wir am Abend das kleine Dorf besuchen und an einem echten tonganischen Festessen mit Musik und Tanz teilnehmen durften. Das Essen wird auf einem mit Bananenblättern ausgelegtem Tisch in Muschelschalen serviert und mit den Fingern verspeist, köstlich! Danach konnten wir alle Kava trinken, na ja, bis auf eine taube Zunge und einem ziemlich widerlichen Geschmack im Mund ist das Ganze sicherlich ein Erlebnis wert. Ein bisschen schläfrig macht es schon und man hat den Eindruck, dass es den Gleichgewichtssinn am nächsten Tag beeinflusst, sowie die Laune.
Sonntags (28.08.) passiert in Tonga außer dem Kirchgang nichts, also ankern wir vor einer kleinen unbewohnten Insel namens Nua Papu, wieder eine Trauminsel mit fantastischem Strand, und verbringen den Rest des Tages dort. Am Montag müssen wir noch einmal nach Vava’u um uns bei der Zollbehörde abzumelden, da es jetzt nach Fidschi gehen soll und wir das Königreich Tonga für diese Reise verlassen, schade, schade, aber Fidschi soll ja noch schöner sein. Über die drei Tage Seereise breite ich lieber die Decke des Schweigens, Yvonne kann sicher besser meine Leiden und meine Heldentaten beschreiben. Letzteres gab es sicher weniger. Also, merke, Stugeron wirkt nicht bei jedem! Na ja, wie die Crew versicherte, gab es nur sehr selten so seekranke Leute an Bord, gleichzeitig sorgten die allabendlichen Würgegeräusche von der Reling zu Spekulationen, dass Peter nur Delphine anlocken wollte.
Unsere erste Station auf Fidschi ist Ovalau Island in der Hafenstadt Levuka (01.09.). Die Stadt ist wegen ihrer ursprünglichen kolonialen Bebauung für die Einstufung als UNESCO Weltkulturerbe nominiert. Am beeindruckendsten finde ich die Mission Hill Stufen, die aber leider nicht an einem imposanten Missionsgebäude enden, sondern im Leeren, inmitten des Geländes der Missionsschule. Die sonstigen interessanten Gebäude sind entweder frühere Regierungsgebäude (Levuka war einst Hauptstadt von Fidschi) der Ovalau Club oder der abgebrannte Freimaurertempel. Ein Gebäude und der dazugehörige Garten, die nicht zum Weltkulturerbe gehört, hat mir besonders gefallen. Das Levuka Home Stay ist wie ich später erfuhr ein Hotel. Wenn es innen genauso aussieht wie der Garten ist es sicher wert hier ein paar Tage zu verbringen.
Sehr schön war unser Ausflug am zweiten Tag (02.09.) in das Dorf Levono. Nach einer dreiviertel Stunde auf der ruckeligen Ladefläche eines Kleinlasters bekamen wir die ersten Eindrücke in das Privatleben und die Behausungen der Fidschianer. Nach der Begrüßung durch den nicht anwesenden Häuptling schilderte unser Führer die bewegte Geschichte des Dorfes mit Kriegen, Versklavungen, heldenhaften Fluchten, einem Untergrundleben im Dschungel und die Rückführung der Dorfbevölkerung durch Queen Victoria. Sehr interessant war auch die Wanderung durch die Vegetation an der Kraterflanke und welchen medizinischen Nutzen die einzelnen Pflanzen haben. Nach Auskunft des Führers ein Wissen, dass sich die Dorfbewohner vor allem in der Untergrundzeit angeeignet hatten und dann mündlich weitergegeben haben. Er erhielt sein Wissen von der Mutter, die aus schierer wirtschaftlicher Notwendigkeit den Dschungel als Nahrungs- und Medizinschatzkammer nutzen musste.
Die Tage auf Fidschi vergehen wie im Fluge, tauchen, schwimmen, Strandspaziergänge auf unbewohnten Inseln wechseln sich ab mit Dorfbesuchen, Kava-Zeremonien und Segeln zwischen den Inseln. Besonders schön waren unsere Besuche auf der bewohnten Insel Dravuni (03.09.) und der unbewohnten Insel Namura (04.09.), wo wir das beste Schnorchelerlebnis hatten (noch mehr Aquariumsfische auf noch kleinerem Raum), von dort hatte man einen schönen Blick auf eine andere unbewohnte Insel, die von Peter zu seiner Lieblingsinsel gekürt wurde (Qasibale). Auch das kleine Dorf auf Benqa (05.09.) hatte einen ganz besonderen Charme. Die Kinder des Ortes stürmten auf unser Schiff und vergnügten sich seilschwingend vom Boot ins Wasser springend. Die Dorfbewohner waren die freundlichsten überhaupt, lächelnde Gesichter und liebe, anhängliche Kinder überall.
Glücklicherweise bleibt das Wetter stabil, so dass ich ohne weitere Seekrankheitsattacken nach einem Abstecher nach Malololailai Lautoka am 07.09. erreiche.
Der abschließende Kostümball zeigt welche Facetten im Charakter unser Mitreisenden, die normalerweise verborgen bleiben (manchmal vielleicht auch besser so?) Auf jeden Fall hat es sehr viel Spass gemacht.
Dann war auf einmal alles vorbei, eine absolute Traumreise mit so vielen Eindrücken, von denen man noch lange erzählen kann. Vielen lieben Dank an die Crew, die mit ihrem Enthusiasmus alle angesteckt hat und besonders an Astrid, ohne die wir niemals auf die Idee gekommen wären eine solche weite Reise anzutreten.
Bula! Yvonne und Peter
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